Bericht einer Pflegekraft

Der Tag beginnt für Philip und mich heute um 8:00 Uhr. Wie immer klingele ich und höre schon durch die Tür ein: „Mama ich mach auf!“ und dann geht die Tür wie von Geisterhand langsam auf. Hinter der Tür ist dann wie fast jeden Morgen die kleine Schwester von Philip und begrüßt mich mit einem schüchternen Lächeln. Hinten im Flur sehe ich dann Philip stehen, der mich, schon fertig für die Schule,  freundlich mit einem „Hallo Christiane!“ über seinen Talker begrüßt.

Philip sitzt in seinem E-Rolli an die Beatmung angeschlossen und er und seine Mama berichten mir kurz vom Wochenende. Dann müssen wir aber auch schon los, denn wir müssen zum Schulbus. Wie eigentlich jeden Morgen wartet der nette Fahrer schon auf uns. Schnell fährt Philip über die Rampe in den Bus und wird mit Gurten im Bus befestigt. Dann geht’s los zur Schule. Auf dem Weg werden noch 3 weitere Kinder von der Schule eingesammelt und dann sind wir gegen 9:00 Uhr an der Schule.

Hier hat Philip einen ganz normalen Schultag und ich flitze mit Absaug- und Notfalltasche hinter ihm her.

Der Tag beginnt für alle Kinder der Klasse im kleinen Klassenraum mit einem gemeinsamen Frühstück. Philip hat heute morgen schon sein Frühstück komplett von seiner Mutter zu Hause sondiert bekommen und daher sondiere ich ihm nur noch ein Glas Tee. Dann beginnt erst mal der Unterricht für die anderen. Philip hat aber die ersten beiden Stunden Physiotherapie. Danach ist dann eine halbe Stunde Pause – für Philip. Ich gehe mit auf den Schulhof, ich bin immer in Sichtweite, falls irgendwas mit der Beatmung ist oder er mal abgesaugt werden möchte.

Der Tag geht mit Unterricht, Mittagessen, Pausen und noch zwei Stunden Talkerunterricht weiter. Irgendwann ist es dann 16:00 Uhr, meistens wissen wir beide nicht, wo die Zeit geblieben ist und schon heißt es wieder, anschnallen im E-Rolli, Taschen alle zusammenpacken, hab ich noch genügend Absaugkatheter für den Rückweg…?

In der Eingangshalle steht schon wieder der Fahrer und wartet auf uns. Wir steigen beide wieder in den Bus ein und er wird wieder festgemacht. Schnell sind auch die drei Anderen im Bus und wir fahren wieder nach Hause. Philip hört meistens etwas Musik über seinen Talker und entspannt so.

Zu Hause angekommen klingeln wir und werden wieder von Mama und der kleinen Schwester begrüßt. Philip und ich erzählen, was heute in der Schule passiert ist, wie es ihm geht und ganz stolz kann er berichten, dass er heute fast 1 Stunde ohne Beatmung am Stück geschafft hat.

Meistens ist es dann schon nach 17:00 Uhr und mein Dienst ist zu Ende. Ich verabschiede mich von der Familie und gehe. Auf dem Weg nach Hause wird mir dann meistens erst bewusst, wie schnell dieser Tag mal wieder verflogen ist…

Bericht einer Kinderkrankenschwester aus dem Intensivpflegeteam

(Die Namen wurden aus Datenschutzgründen geändert)